Technischer Fortschritt

Die Entwicklung der technischen Gerätschaften fing einmal beim Ledereimer und dem Einreißhaken an.

Mit diesen “Geräten” war dem Feuer eben nur von außen beizukommen, ja man musste sich darauf beschränken, die Nachbarhäuser zu schützen. Aber auch das war nicht immer von Erfolg gekrönt. So entstand am 23. Dezember 1789 bei heftigem Sturm ein Schadenfeuer, bei dem in einer halben Stunde 20 Wohnhäuser in Flammen standen. Dabei waren auch fast alle Häuser der heutigen “Kattenkuhle”.

Die Menschen damals waren aber auch schon erfinderisch. So wurde eine Feuerspitze entwickelt, die zwar noch von Hand mit dem Ledereimer befüllt werden musste, aber das Wasser konnte mit der Muskelkraft der “Drücker”, das waren die Wehrmänner, die die Pumpe bedienten, schon über eine größere Entfernung in das Feuer gespitzt werden. Erst viel später konnten diese Spritzen auch das Wasser ansaugen, aber auch hier war Muskelkraft als Motor gefragt. Diese Handdruckspritze wurde bis zum Jahre 1931 in Othfresen benutzt.

Erst am 03. Februar 1931 wurde die erste Motorpumpe vom Typ TS4 zum Preise von 3.500 Mark angeschafft. Zum Transport dieser Pumpe kam noch ein zweirädriger Wagen mit Gummibereifung und zwei Schlauchhaspeln dazu. Aus heutiger Sicht kann gesagt werden, dass im Jahr 1931 eine neue Ära in der Brandbekämpfung in Othfresen eingeläutet wurde. Die Schlagkraft der Wehr wurde dadurch ganz erheblich erhöht.

Die Alarmierung der Feuerwehr geschah aber bis zum Jahr 1945/46 auch da noch immer von “Hand”. Kirchenglocke, Signalhorn und im Dorf aufgehängte Pflugschare riefen die Wehrmänner zum Einsatz. Es gab zwar schon Sirenen im Dorf, diese blieben aber bis zum Ende des 2. Weltkrieges dem Fliegeralarm vorbehalten. Erst im Jahre 1946 wurde die Alarmierung der Feuerwehren auf Sirenenalarm umgestellt.

Im Jahre 1945 wurde eine zweite Tragkraftspritze, eine TS 8 (die sogen. Einheitsspritze), angeschafft. Musste die Wasserversorgung bei Brandeinsätzen aus den vorhandenen Bächen und Brunnen erfolgen, wurde es in den Jahren 1950/51 durch den Bau der Wasserleitung besser. Othfresen wurde an den Hochbehälter in Groß Döhren und damit an die Fernleitung Eckertal-Braunschweig bzw. Bremen angeschlossen. Beim Bau dieser Wasserleitung wurde eine entsprechende Anzahl Hydranten eingebaut. Hierdurch konnte die Löschwasserversorgung in Othfresen erheblich verbessert werden.

Im Jahre 1952, begann die motorisierte Fahrzeug-Epoche bei der Freiwilligen Feuerwehr Othfresen. Das erste Löschfahrzeug, ein Ford 2000, war ein LF 8. Mit diesem Fahrzeug konnte eine komplette Gruppe sofort ausrücken, das dazugehörende Gerät wurde mitgeführt und eine Brandbekämpfung in kürzester Zeit beginnen. Im Jahre 1955 wurde zusammen mit der Zuckerfabrik am Posthof eine Anhängeleiter (AL 18) angeschafft.

Und im Jahre 1957 wurde das vorhandene Fahrzeug mit einer Vorbaupumpe ausgerüstet.

Im Jahre 1961 musste für die vorhandene “Einheitsspritze” Ersatz geschaffen werden, da sie sehr reparaturanfällig war. Die neue Tragkraftspitze (TS 8) war mit einem VW-Motor ausgerüstet, das Beste, was es damals gab. Die Qualität kann daran gemessen werden, dass diese Pumpe auch noch, nach 33 Jahren, einsatzbereit war.

Im Jahre 1967 nach 15.jährigem Einsatz, wurde das LF 8 (Ford 2000) ausgemustert. Als Ersatz erhielt die Wehr einen Opel-Blitz (LF 8) mit Vorbaupumpe und Funkgerät.

Die nächste Epoche der technischen Ausrüstung begann in Othfresen im Jahre 1968. Die ersten drei Atemschutzgeräte “Matter MA 44” wurden beschafft. Jetzt war es endlich möglich, in verqualmte Räume einzudringen, um Menschen und Tiere zu retten, ohne das Leben des Feuerwehrmannes akut zu gefährden. Durch die Entwicklung neuer Fußbodenbeläge mit viel Kunststoffen, werden bei Bränden auch schon in der Entstehungsphase giftige Gase freigesetzt, an denen Menschen sehr schnell ersticken können. Daher ist es immens wichtig, hilflose Personen bei Bränden in kürzester Zeit aus der Gefahrenzone zu bringen. Auch bei Scheunenbränden können durch eingelagerten Kunstdünger giftige Gase entstehen, die einen Schutz der Brandbekämpfer notwendig machen. Dieser Schutz war durch die Atemschutzgeräte jetzt endlich gewährleistet.

Da der Autoverkehr auch in unserer Umgebung, insbesondere auf der B 6, immer dichter wurde, war es erforderlich, ein spezielles Hilfeleistungs-Fahrzeug anzuschaffen.

Am 9. Juni 1972 bekam die Feuerwehr ein Hi – LF mit einer TS 8 und viel technischem Gerät für Hilfeleistungen aller Art. Dieses Fahrzeug wurde aber bereits im Jahre 1988 an die Wehr in Heißum abgegeben, da die Othfresener ein anderes Fahrzeug erhielten.

Auch noch im Jahre 1972 schaffte die Gemeinde Othfresen einen VW-Mannschaftswagen (MTW) an. Die Umstellung der meisten Heizungen von feste auf flüssige Brennstoffe machte es 1973 erforderlich, einen “Ölschadenanhänger” mit entsprechender Ausrüstung für Ölunfälle anzuschaffen. In diesen Jahren wurde die Freiwillige Feuerwehr Othfresen zu einer “Stützpunkt-Wehr” erklärt. Die dadurch erweiterten Anforderungen machten es nötig, noch moderneres Gerät anzuschaffen.

Im Jahre 1988 erhielt die Wehr ein Tanklöschfahrzeug (TLF 8/18 W) auf Unimog-Basis. Das Fahrgestell ist extrem geländegängig und daher für Waldbrandeinsätze besonders tauglich. Das Fahrzeug führte einen Wassertank mit 1.800 Litern Inhalt mit, außerdem modernes technisches Gerät und Pressluftatmer. Das Fahrzeug war mit einer “Schnellangriff-Einrichtung” ausgerüstet. Das machte es möglich, schon wenige Sekunden nach Eintreffen am Einsatzort mit der Feuerbekämpfung zu beginnen. Das TLF 8/18 hat bis zu seiner Außerdienststellung im März 2017 Treue Dienste geleistet.

Das Jahr 1995 stand ganz im Zeichen von neuen Fahrzeugbeschaffungen. So wurde das mittlerweile 27 Jahre alte Löschgruppenfahrzeug durch ein neues, dem damaligen Stand der Technik entsprechendes, ausgetauscht. Ein LF 8 auf Mercedes-Benz Fahrgestell ( 814 F ) mit einem Aufbau der Firma Ziegler stand nun zur Verfügung. Mit dieser Beschaffung erweiterte sich auch das Aufgabenspektrum. Die Hilfe nach Verkehrsunfällen gehörte nun auch zu den Einsatzarten der Wehr. Zu den Neuerungen der Beladung gehörte u.a. hydraulisches Rettungsgerät ( Schere / Spreizer / Rettungszylinder ), welches mittlerweile sehr vielen eingeklemmten Verkehrsunfallopfern das Leben gerettet hat. Die wesentlichen Verbesserungen im Bereich Brandschutz mit diesem Fahrzeug waren u.a. die im Mannschaftsraum eingebauten Pressluftatmer, die bereits während der Alarmfahrt aufgesetzt werden. So stehen am Einsatzort sofort komplett ausgerüstete Atemschutzgeräteträger zur Menschenrettung oder Brandbekämpfung bereit.

Auch der in die Jahre gekommene Einsatzleitwagen wurde ausgetauscht. Von da an stand ein funktionsgerechter VW- Bus T 4 zur Verfügung, der den Ansprüchen einer Stützpunktfeuerwehr gerecht wurde.

Steigende Mitgliederzahlen machten es notwendig, dass unsere Räumlichkeiten erweitert werden mussten. Im Jahr 1998 wurde der Unterrichtsraum in Eigenleistung umgebaut.

Durch Eigeninitiative und einer großzügigen Spende des Feuerwehrkameraden Uwe Wüstefeld wuchs der Othfresener Fuhrpark im Jahr 2014 um ein weiteres Einsatzfahrzeug an. In Eigenleistung wurde ein ziviler LKW mit Ladebordwand zu einem funktionellen Gerätewagen-Logistik umgebaut, auf dem nun in Rollcontainern Nachschubmaterial an die Einsatzstelle gebracht werden kann. Durch die Besetzung mit einer Löschstaffel (1/5) können auch eigenständig Einsatzlagen, z.B. bei Hochwassereinsätzen, abgearbeitet werden.

In den Einsatzdienst konnte der Gerätewagen aber erst nach der Fertigstellung des Neubaus des Feuerwehrhauses in der Heißumer Straße im Jahr 2015 integriert werden, da nun 4 Stellplätze zur Verfügung stehen. Es ist es nun möglich, die Ausbildung und den Dienstbetrieb bei entsprechender Atmosphäre und zukunftsgerechten technischen und räumlichen Möglichkeiten durchzuführen. Ein Meilenstein in der Geschichte der Othfresener Feuerwehr!

Das bislang neueste “Pferd im Stall” ist das Hilfeleistungslöschfahrzeug 20, welches im März 2017 als Ersatz für das TLF 8/18 beschafft wurde. Mit der umfassenden Ausrüstung dieses Fahrzeugs können nahezu alle Einsatzlagen bearbeitet werden. Zeitgleich wurde das LF 8 vom Erstangriffsfahrzeug hin zu einem vollwertigen Unterstützungsfahrzeug in Eigenleistung umgerüstet.

Zum Wohl des Bürgers versuchen wir die technische Entwicklung ständig auf dem neuesten Stand zu halten, was bei der angespannten Haushaltslage nicht immer einfach ist, aber Dank zahlreicher Spenden immer wieder gelingt.

Diese bis zur heutigen Zeit technische Entwicklung und auch recht gute Ausstattung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor der Feuerwehrmann, also der Mensch, im Vordergrund des Geschehens bei der Brandbekämpfung und technischen Hilfeleistung steht. Was nützt das beste, modernste Fahrzeug im Gerätehaus, wenn niemand es bedienen kann.

In den vergangenen Jahrzehnten unserer Wehr hat sich vieles geändert: die Menschen, die Geräte und die Methoden der Brandbekämpfung. Eines ist jedoch immer noch von größter Wichtigkeit: Der Geist und Wille, sich uneigennützig für das Hab und Gut der Mitmenschen einzusetzen, es zu schützen und es zu erhalten.